Die Frage „Make, n8n oder Power Automate?“ lässt sich nicht pauschal beantworten, denn die drei Tools sind für unterschiedliche Ausgangslagen gebaut. Dieser Artikel vergleicht sie entlang der Kriterien, die in der Praxis über Erfolg oder Frust entscheiden, und zeigt, welches Tool zu welchem Unternehmenstyp passt.
Warum ein neutraler Vergleich wichtig ist
Automatisierungstools werden oft nach Bauchgefühl oder nach dem Tool gewählt, das im Team gerade bekannt ist. Das führt regelmässig zu Fehlentscheidungen, etwa wenn ein Konzern mit strengen Compliance-Vorgaben ein reines Cloud-SaaS-Tool wählt, oder wenn ein KMU ohne eigene IT sich für eine Lösung entscheidet, die Programmierkenntnisse voraussetzt. Der folgende Vergleich bewertet Make, n8n und Power Automate entlang von acht Kriterien, die für die meisten Unternehmen tatsächlich entscheidungsrelevant sind.
Vergleichstabelle
Hinweis: Preise, Kontigente und Feature-Details ändern sich regelmässig. Massgeblich sind die offiziellen Seiten: Make Preise, n8n-Preise, und die Microsoft-Power-Automate-Preisseite (Stand September 2026).
Make im Detail
Ideal wenn:
Du eine grosse Bandbreite an Standard- und Nischen-Apps ohne eigene IT-Abteilung anbinden willst, ein visueller Editor für schnelle Iteration wichtig ist, und ein planbares, gut skalierbares Cloud-Angebot ausreicht.
Ein verbreitetes Missverständnis: Make sei „nur“ ein Klick-Tool ohne Code. Das trifft seit der Code App nicht mehr zu. Eigene JavaScript- und Python-Logik läuft direkt im Szenario, gängige Libraries wie lodash, moment.js, pandas und requests sind verfügbar, im Enterprise-Plan lassen sich beliebige Drittanbieter-Libraries importieren und die Laufzeit steigt von 30 auf 300 Sekunden. Über den MCP-Client kann ein Szenario zusätzlich externe Tools und AI-Systeme ansprechen.
Eher nicht wenn:
Deine Daten aus regulatorischen Gründen zwingend im eigenen Haus bleiben müssen, oder wenn du die komplette Plattform selbst betreiben und versionieren willst.
n8n im Detail
Ideal wenn:
Datenschutz und Datenhoheit zentrale Anforderungen sind, etwa in regulierten Branchen oder bei sensiblen Kundendaten, und im Team Entwickler-Know-how vorhanden ist, um eine Self-Hosting-Umgebung zu betreiben und zu warten. Auch für Unternehmen, die komplexe, codeintensive Automatisierungen bauen wollen, ist n8n stark.
Eher nicht wenn:
keine IT-Ressourcen für Betrieb, Updates und Sicherheit einer Self-Hosting-Instanz vorhanden sind. Die Cloud-Variante von n8n relativiert das teilweise, bringt aber wieder die gleiche Abwägung wie bei anderen Cloud-Tools mit sich.
Power Automate im Detail
Ideal wenn:
Es um einfache, personengebundene Abläufe innerhalb von Microsoft 365 geht: Genehmigungen, Benachrichtigungen, Dokumentenablagen, ein Flow pro Mitarbeitenden. Die Integration in SharePoint, Teams, Outlook und Dataverse ist ausgereift, viele Lizenzen sind über bestehende Microsoft-365-Verträge teilweise abgedeckt, und die Flows fügen sich nahtlos in die bestehenden Zugriffsrechte ein.
Eher nicht wenn:
Die Automatisierung über einfache Abläufe hinauswächst. Genau hier liegt die aus unserer Projektpraxis wichtigste Einschränkung: Mit steigender Verzweigung werden Flows in Power Automate zunehmend unübersichtlich, die Fehlersuche aufwendig und die Wartung teuer. Auch wenn der Grossteil deiner Tools ausserhalb der Microsoft-Welt liegt, werden schnell Premium-Konnektoren nötig, und die Lizenzkosten pro Nutzer oder pro Flow summieren sich.
Wichtig zur Einordnung: Power Automate ist für das, wofür es gebaut ist, ein gutes Werkzeug. Die Frage ist nicht, ob es funktioniert, sondern wie gut es mitwächst.
Entscheidungslogik nach Unternehmenstyp
KMU ohne eigene IT-Abteilung
Für kleinere Unternehmen ohne dedizierte IT ist Make meist der pragmatischste Einstieg: visueller Editor, breite App-Auswahl, kein Betrieb einer eigenen Infrastruktur nötig. Power Automate ist eine valide Alternative, wenn das Unternehmen bereits vollständig in Microsoft 365 arbeitet.
KMU mit eigener IT
Hat das Unternehmen intern Entwickler-Ressourcen, öffnet sich die Möglichkeit, n8n selbst zu hosten. Das lohnt sich insbesondere, wenn Datenhoheit ein Thema ist oder wenn Automatisierungen entstehen sollen, die über das hinausgehen, was ein visueller Editor bequem abbildet. Make bleibt aber auch hier für die „schnellen“ Prozesse oft die effizientere Wahl, eine Kombination beider Tools ist in der Praxis verbreitet.
Konzern mit hohen Compliance-Anforderungen
Bei strengen Governance- und Compliance-Vorgaben rücken die Enterprise-Stufen aller drei Anbieter in den Fokus: SSO/SAML, Umgebungstrennung, Audit-Logs, rollenbasierte Zugriffskontrolle. n8n bietet hier zusätzlich die Option, die gesamte Infrastruktur im eigenen Rechenzentrum oder in einer kontrollierten Cloud-Umgebung zu betreiben, was bei besonders strengen Datenresidenz-Anforderungen ausschlaggebend sein kann. Ist der Konzern bereits stark auf Microsoft-Governance-Werkzeuge (Entra ID, Purview, Conditional Access) ausgerichtet, spielt Power Automate seine Stärken über die tiefe Integration in diese Werkzeuge aus.
Microsoft-365-Haus
Hier lohnt eine Präzisierung, weil dieses Kriterium oft überschätzt wird: Praktisch jedes Unternehmen arbeitet heute mit Microsoft 365, und trotzdem setzen viele davon Make ein. Der M365-Einsatz allein ist also kein Entscheidungskriterium, denn Outlook, Teams, SharePoint und OneDrive lassen sich mit Make ohne Umwege anbinden.
Entscheidend ist die Art der Abläufe. Bleiben sie einfach und spielen sich vollständig innerhalb von Microsoft ab, etwa eine Genehmigung mit anschliessender Ablage, ist Power Automate naheliegend und oft schon lizenziert. Sobald mehrere Systeme, verzweigte Logik, Fehlerbehandlung oder hohes Volumen ins Spiel kommen, spricht die Erfahrung aus unseren Projekten für Make: Der Ablauf bleibt lesbar, Fehler sind im Log pro Modul nachvollziehbar, und die Wartung bleibt bezahlbar. Eine verbreitete Aufteilung ist deshalb: Power Automate für die persönlichen Microsoft-internen Flows, Make als Automatisierungs-Backbone für alles, was über Systemgrenzen geht.
Praxisbeispiel: Kombination statt Entweder-oder
In der Praxis zeigt sich häufig, dass Unternehmen nicht ein einziges Tool für alles einsetzen, sondern die Stärken kombinieren: Power Automate für interne Genehmigungsprozesse innerhalb von Microsoft 365, Make für die Anbindung externer Kunden- und Marketing-Tools, und n8n für einzelne, datenschutzkritische Strecken, die im eigenen Haus laufen müssen. Diese Kombination erfordert eine klare Architekturentscheidung, welches System welche Prozesse verantwortet, damit keine doppelten oder widersprüchlichen Automatisierungen entstehen.
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